Kolumne: Warum ich Instagram hasse

Warum ich Instagram hasse: Bilder mit Hashtag fashionblogger

Ihr habt es vielleicht mitbekommen – es gibt einen neuen Aufschrei in der Social Media Welt. Essena O’Neill hat den sozialen Medien abgeschworen und macht nun Werbung für ein Leben abseits von Instagram und Co. (ja, das gibt es tatsächlich!). Ich muss gestehen, dass ich sie und ihren Instagram-Channel vorher nicht kannte, aber offensichtlich war sie der Prototyp des perfekten Instagram-Mädchens: Fitness-Körper, Veganerin, flacher Bauch, Designerteile. Also genau die Sorte von Profil, dem ich vor einigen Monaten aufgehört habe zu folgen.

Warum? Weil es mich fertig gemacht hat. Punkt. Ich kann nicht verstehen, wie man sich tagtäglich solche Bilder ansehen und dabei nicht völlig unzufrieden mit seinem eignen, komplett unperfekten Leben sein kann. Vielleicht liegt es ja an meiner Unzufriedenheit mit mir selbst, an meinem ständigen Drang mich zu Vergleichen, immer die Fehler an mir selbst zu suchen – aber bitte, bitte sagt mir, dass es euch auch so geht.

Manchmal scrolle ich noch morgens vor dem Aufstehen durch meinen Feed – und male mir aus, wie ich eines Tages auch auf so einer Yacht liegen werde, wenn ich eine berühmte Fulltime-Bloggerin mit den perfekten Fotos geworden bin. Geben wir es zu: Das wird nicht passieren. Ich bin echt mies in Instagram. Ja, ich habe mich angestrengt, aber ich schaffe es einfach nicht, mein unspektakuläres Leben, meinen durchschnittlichen Körper und meine unveganen Mahlzeiten in perfekte Quadrate zu quetschen, die genau das Gegenteil vorspielen sollen. Ich kann mich nicht daran gewöhnen, alles zu fotografieren, nur weil es in das Farbschema meines Accounts passt.

Ich habe es wirklich versucht – ich habe stundenlang verschiedene Gegenstände auf meiner weißen Bettdecke drapiert, um ein schönes #flatflay zu posten, dabei habe ich ein Laken mit Nagellack ruiniert und ein anderes, weil meine Sneakers doch nicht so sauber waren, wie ich dachte. Aber irgendwie ist das wohl nichts für mich. Ich habe es in drei Jahren gerade einmal geschafft, mickrige 500 Follower zu sammeln, und ich schäme mich dafür, dass ich mich selbst so lange mit dieser Zahl identifiziert habe.

Bin ich eine schlechte Bloggerin, weil ich Instagram nicht mag?

Ich habe mit dem Bloggen angefangen, weil ich schreiben wollte. Im Laufe der Zeit kam die Mode dazu – und ich liebe es noch immer, Outfits zu fotografieren, euch von neuen Trends zu berichten und die völlig verrückte Modewelt aus meiner Perspektive zu erleben. Einfach, weil das irgendwie meine Welt ist, oder jedenfalls ein großer Teil davon. Ich würde sagen, ich bin trotzdem eine Fashionbloggerin (einen interessanten Artikel zu dem Thema hat übrigens die liebe Vreni geschrieben).

Genauso bin ich aber auch Blog-Leserin – und manchmal frage ich mich auf Instagram, wen das hundertste Bild einer Thigh Gap vor einem Strand auf Ibiza eigentlich noch interessiert. Ganz schön viele Menschen offensichtlich, wenn man sich die Zahl der roten Herzen ansieht. Ich dagegen möchte Blogs lesen, die schöne Bilder zeigen und etwas zu sagen haben. Ist das heute schon zu viel verlangt?

Da wären wir wieder bei den beliebtesten Schlagworten aus der Kategorie der Sonntagstexte: Oberflächlichkeit, Falschheit, Authentizität – alles schon gehört. Irgendwie habe ich keine Lust mehr darüber zu schreiben und mir überhaupt Gedanken darüber zu machen. Letztendlich ist es für mich ein Prozess, den man nicht aufhalten kann. Wirklich gute Blogs mit durchdachten Texten und der vielbeschworenen Persönlichkeit gehen langsam verloren; was übrig bleibt sind überbelichtete Quadrate eines scheinbar perfekten Lebens.

Aber wisst ihr was? Ich habe ein für alle Mal beschlossen, dass ich mich davon nicht mehr stressen lassen werde. Dieses Wochenende habe ich zwei Bücher gelesen, also so viele wie das ganze bisherige Jahr über. Das zuzugeben ist wirklich schrecklich und es wird mir selbst gerade klar, was das eigentlich bedeutet. Mein Smartphone lag dabei irgendwo in der Ecke – und ich will eigentlich nichts glorifizieren, was so einen bescheuerten Namen wie Digital Detox trägt, aber das war gut. So gut.

Solltet ihr mal probieren.

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6 comments

  • Liebe Julie,
    in deinen Worten steckt sehr viel Wahrheit. Ich denke, dass viele das so sehen und dass der Trend auch dahin gehen wird, sich irgendwann wieder etwas von diesem „Social Media Life“ zu entfernen – auf Dauer kann man das einfach nicht durchhalten.
    Ich erwische mich auch immer wieder dabei, dass ich mir sehnsuchtsvoll irgendwelche Croissants in Paris oder Designer-Schuhe in New York angucke und mich frage, ob mir das auch irgendwann mal passiert. Doch während ich mich das frage, verpasse ich vielleicht gerade, wie meine Katze unfassbar süß gähnt oder etwas Ähnliches – es wäre echt besser, wenn wir einfach unserem eigenen Leben wieder mehr Aufmerksamkeit widmen.
    Liebe Grüße
    Leonie
    Follow The Daisies

  • ich muss dir leider total zustimmen!
    mich nervt dieser Perfektionismus total und kann absolut nicht verstehen, dass sich Leute in einem überfüllten Eiscafé auf ihren Stuhl steigen um das perfekte Foto zu schießen – mir würden vor Scham war scheinlich die Hände zittern, sodass bei mir das Foto wieder schrecklich aussehen würde 😀
    wenn ich Instagram öffne, überleg ich mittlerweile, ob ich gerade wirklich Zeit & Lust hab oder es nicht was Schöneres gibt, das ich machen könnte.
    und ja mit dem Lesen ist das so eine Sache. das lass ich generell viel zu oft hängen, obwohl ich Bücher liebe immer wieder Neue kaufe und mein Stapel immer höher wird.
    versuch das alles zu reduzieren und eigentlich wollt ich schon längst einen Post dazu geschrieben haben..

    LG Katrin

  • Du hast so Recht mit deinem Beitrag. Ich habe Instagram bisher nichts abgewinnen können (genauso wenig wie Facebook oder Twitter) und finde es toll, dass es endlich mal so präsent ist, wie unecht doch die meisten der geposteten Bilder sind…

    LG

  • Habe Deinen Blog gerade entdeckt. Warum eigentlich nicht eher? 😉
    Deinen Text zu Instagram finde ich sehr sehr gut. Echt schön geschrieben. Wirklich!
    Werde auf jeden Fall öfters hier vorbeischauen.

    Liebste Grüsse , Julia